super- bedeutet über, oberhalb und stammt vom lateinischen super.
Bedeutung und Herkunft
super- kommt aus dem Lateinischen und ist der nächste Verwandte des griechischen hyper-. Beide gehen auf dieselbe indogermanische Wurzel zurück, die die Bedeutung über trägt, und beide haben denselben Weg vom Ort zur Steigerung genommen. Das lateinische super war Präposition und Adverb und hieß oben, darüber, obenauf, und daneben schon mehr.
Ins Deutsche ist super- auf zwei Wegen gekommen. Der ältere führt über die lateinischen Fachwörter, die seit dem Mittelalter übernommen wurden, etwa Superlativ, die höchste Steigerungsstufe, wörtlich das Hinaufgetragene. Der jüngere Weg ist die Umgangssprache. Seit dem 20. Jahrhundert ist super- zum beliebtesten Verstärker des Deutschen geworden, und als bloßes super hat es sich sogar vom Grundwort gelöst und steht allein für großartig.
Diese Doppelnatur solltest du im Kopf behalten, wenn du super- benutzt. In Superstruktur, Supernova oder Superposition ist es ein exaktes Fachpräfix und meint eine Lage darüber oder eine Überlagerung. In supergünstig, superschnell, superlecker ist es reine Verstärkung und meint kaum mehr als sehr. Beide Verwendungen sind richtig, aber sie gehören in verschiedene Register. In einem Fachtext wirkt das umgangssprachliche super- schnell zu leichtfüßig.
Das griechische Gegenstück ist hyper-, und die Grenze zwischen beiden ist fließend. Als Faustregel gilt: Gewachsene wissenschaftliche Begriffe, besonders in Medizin und Chemie, greifen eher zum griechischen hyper-, während super- die lateinisch geprägten und die modernen umgangssprachlichen Bildungen trägt. Es heißt Hypertonie, nicht Supertonie, aber Superlativ, nicht Hyperlativ. Wo beide möglich wären, entscheidet die Tradition des Fachs, nicht die Logik.
Eine typische Unschärfe entsteht, wenn super- und hyper- als beliebig austauschbar behandelt werden. In der Alltagssprache sind sie das fast, in der Fachsprache nicht. Ein zweiter Stolperstein ist die Großschreibung. Das Adjektiv super wird kleingeschrieben, das Essen war super, das Substantiv oder die Kraftstoffsorte Super groß. Als Vorsilbe verschmilzt super- ohne Bindestrich mit dem Grundwort, solange keine Häufung von Vokalen die Lesbarkeit stört.
Interessant ist, dass super- in der Biologie und Chemie eine eigene, präzise Rolle spielt, die mit der umgangssprachlichen Steigerung nichts zu tun hat. Eine Superposition ist die Überlagerung zweier Zustände, ein Superstrat die überlagernde Sprachschicht in der Sprachwissenschaft. Hier ist super- wieder ganz nah an seiner räumlichen Wurzel, dem schlichten Darüber. Wer nur die Verstärkerbedeutung kennt, übersieht diese exakte Seite des Bausteins.
super- ist das lateinische Gegenstück zu hyper-. In der Umgangssprache überlappen beide stark. In der Fachsprache greifen Medizin und Chemie eher zum griechischen hyper-, während super- die lateinischen und die modernen Steigerungen trägt.
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