hypo- bedeutet unter dem normalen Maß, darunterliegend und stammt vom griechischen ὑπό.
Bedeutung und Herkunft
hypo- ist der Gegenspieler von hyper-, und wie dieses beginnt es mit einer Ortsangabe. Das griechische ὑπό heißt unter, unterhalb, darunter. Es beschreibt zunächst eine Lage, nicht einen Mangel. Erst über den Umweg über den Ort ist daraus die Bedeutung geworden, die das Präfix heute in der Fachsprache trägt, nämlich das Nichterreichen eines Maßes, das Zuwenig.
Pfeifer nennt mehrere Linien, die alle aus dem räumlichen unter herauswachsen. Die erste ist das schlichte Daruntersein, wie in Hypozentrum, dem Punkt unter dem Erdbebenherd. Die zweite ist das Nichterreichen des üblichen Maßes, und das ist die medizinisch wichtigste. Die dritte ist eine Abhängigkeit, ein Untergeordnetsein, das in Wörtern wie Hypotaxe, der Unterordnung von Nebensätzen, durchscheint.
In der Medizin ist hypo- der Zeiger nach unten. Hypotonie ist der zu niedrige Blutdruck, Hypoglykämie der zu niedrige Blutzucker, Hypothermie die Unterkühlung. Jedes dieser Wörter behauptet dasselbe: ein Wert liegt unter der Norm. Genau darin liegt die Gefahr der Verwechslung mit hyper-. Ein vertauschter Buchstabe dreht die Diagnose um. Hypothermie und Hyperthermie, Unterkühlung und Überhitzung, trennt nur das o gegen das e, und die Folgen für den Patienten sind entgegengesetzt.
Anders als hyper- hat hypo- den Sprung in die Umgangssprache nie geschafft. Niemand sagt hypomüde für ein bisschen müde. Das Präfix ist im Fachwortschatz geblieben, in Medizin, Chemie und Geologie, und wirkt außerhalb davon fremd. Das ist ein Vorteil für die Genauigkeit: hypo- ist nicht abgeschliffen, es meint noch immer das, was es meint.
Ein lateinisches Gegenstück gibt es, es ist sub-, und beide Vorsilben teilen die Bedeutung unter. Wo hypo- in gewachsenen medizinischen und chemischen Begriffen steht, findet sich sub- eher in der Alltags- und Verwaltungssprache, in subkutan oder im Untergeschoss der Sprache. Wo hypo- in gewachsenen medizinischen und chemischen Fachbegriffen steht, trägt sub- die Alltags- und Organisationssprache. Es heißt Hypothese, aber Subvention.
Der häufigste Fehler bei hypo- ist derselbe wie bei hyper-, nur andersherum: Wer die beiden nicht sicher auseinanderhält, verschreibt sich im ungünstigsten Moment. Eine einfache Merkhilfe hilft. hypo- klingt wie tief und wie das englische low, das o zieht nach unten. hyper- mit seinem hellen e zeigt nach oben. Wer sich das einmal einprägt, verwechselt die beiden Richtungen nicht mehr. In der Chemie kommt eine zweite Bedeutungsschicht dazu: dort markiert hypo- oft die niedrigere von zwei Oxidationsstufen, wie in hypochlorige Säure gegenüber der Chlorsäure. Auch hier ist es wieder das Weniger, diesmal weniger Sauerstoff.
Beide meinen unter. In gewachsenen medizinischen und chemischen Fachbegriffen steht meist das griechische hypo- (Hypotonie, Hypothermie), in der Alltags- und Organisationssprache das lateinische sub- (Subkultur, Subvention).
über das normale Maß hinaus, übermäßig; verstärkend.
Beispielwörter
Enthaltene Buchstaben: Ypsilon · Pi · Omikron
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