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Eiskalte Hand

Die Chroniken von Mondoria. Wie alles begann. Band 2: Eiskalte Hand

 

 

Claudia und Urs Muther

 

 

 

Prolog

 

„Darf es noch ein Getränk sein für Sie?“ Die Bedienung mit dem hochgesteckten schwarzen Haar schenkte dem alten Mann aus ihren dunklen mandelförmigen Augen einen freundlichen Blick. Der ergraute Herr in seiner Brokatrobe musterte die junge Frau abschätzend aus den Augenwinkeln – ganz so, wie er wohl auch ein Rennpferd vor einem potenziellen Kauf gemustert hätte. Es war ein netter Anblick, der sich ihm bot. Ihr schlanker und wohlgeformter Körper steckte in der einfachen Tracht, die alle weiblichen Service-Kräfte der Catering-Firma trugen. Hellgrün mit weißen Lotusblüten bestickt, endete der Kimono kurz über dem Knöchel. Ein einfaches Band hielt ihn in der Taille zusammen. An der linken Seite baumelten kunstvoll geflochtene Fäden in den Farben des Hauses, das die Feier in Auftrag gegeben hatte. Heute waren sie orange und grün. Die offenkundig lange Haarpracht wurde durch zwei elfenbeinerne Haarnadeln gehalten, die über Kreuz hinter ihrem Kopf emporragten. Man merkte gleich, dass es Ajung Lang, dem ersten Caterer der Stadt, wichtig war, dass alles perfekt zusammen passte. Nicht nur bei den exquisiten Speisen, sondern auch beim Personal. So beschäftigte er ausschließlich attraktive Bedienungen. „Schließlich isst das Auge mit“, pflegte er zu sagen. (...)

 

 

Mit geschickten Griffen entledigte sich die junge Frau ihrer Tracht. Darunter kam ein eng anliegender dunkel-grauer Anzug zum Vorschein. Die Muster auf dem Stoff schienen sich fast zu bewegen. Zumindest konnte man nicht lange dorthin schauen. Ideale Voraussetzungen, wenn man sich im Schatten verstecken wollte. Aus dem Gürtel zog die Frau ein paar Handschuhe, die sie überstreifte. Dann packte sie die Tracht und stopfte sie in eine der Truhen. Zielstrebig steuerte sie auf die nächste Tür zu. Den Grundriss der Villa hatte sie sich vorher bis ins kleinste Detail hinein eingeprägt. So wusste sie, dass hinter der Tür eine weitere Halle lag, in der sich ein Treppenhaus befand. Am oberen Ende der Treppe wartete ein quer verlaufender Flur, auf dem zumindest eine Wache patrouillieren würde.

 

Vorsichtig öffnete sie die Tür einen Spalt. Alles war so, wie erwartet. Wächter waren für den Moment nicht zu sehen. Die junge Frau huschte flink durch die Tür und lief mit lautlosen Schritten zur Treppe herüber. Sich eng ans schwere Marmorgeländer schmiegend, schlich sie wie eine Katze die Stufen empor. Konzentriert lauschte sie in den Gang hinein. Von rechts kamen Schritte näher. Augenblicklich presste sie sich flach an das Geländer und machte sich zum Sprung bereit. Drei…zwei…eins...los. Mit einem geschickten Satz sprang sie seitlich auf den Wächter zu, als der ihr Versteck passierte. Noch während sie in der Luft war, riss sie den Ellenbogen hoch und rammte ihn dem verdutzten Mann gegen die Schläfe. Ohne ein Wort zu sagen brach er bewusstlos zusammen. Geschmeidig rollte sich die Angreiferin auf dem Teppichboden ab und kam postwendend wieder in den Stand. Sofort schaute sie sich um. Keine weiteren Wachen. (...)

 

Wenige Sekunden später stand sie vor einer weiteren Tür. Jetzt würde sie in Cha Ko Nuns Privatgemächer vordringen. Keine einfache Aufgabe. ‚Mia, konzentrier dich! ‘, sprach sie sich selber Mut zu. Dann fischte sie aus ihrem Gürtel einen dünnen Draht, den sie sich fachkundig zu recht bog. Ganz behutsam führte sie ihn in das Schlüsselloch ein und bewegte ihn. Erst nach rechts, danach ein wenig nach unten, nun noch im Uhrzeigersinn drehen und mit einem Ruck nach oben. Es machte leise „Klack!“. Für Sekunden erstarrte Mia – bereit auf eine eventuelle Falle zu reagieren. Doch der Überraschungseffekt blieb aus. Mia öffnete die Tür und schlüpfte hindurch. Zielstrebig folgte sie dem Flur, durchquerte einen weiteren Raum und blieb dann zu Beginn eines langen Gangs stehen. Fenster gab es hier nicht. Stattdessen säumten schmale Säulen den Gang auf beiden Seiten. Ganz am Ende erkannte sie eine prächtig verzierte goldene Tür. Das Familienwappen von Cha Ko Nun prangte groß darauf. ‚Nun wird’s heiß.‘

 

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Mondoria, Claudia Muther

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